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Nachruf Sepp Föhn (23. Januar 1960 – 4. August 2025)

15. August 2025

Nachruf Sepp Föhn (23. Januar 1960 – 4. August 2025)

15. August 2025, von Livio Zanetti*

Sepp Föhn – Mentor, politischer Weggefährte, Freund

Am 4. August 2025 verstarb Sepp Föhn im Alter von 65 Jahren während einer Velotour durch Frankreich an einem Herzstillstand. Die Fahrt führte ihn durch ein landwirtschaftlich geprägtes Tal – eine Landschaft, die ihn wohl an seine Kindheit im Muotathal erinnerte. In dieser friedvollen Umgebung hörte das Herz unseres Sepp’s für immer auf zu schlagen. Sein plötzlicher Tod so kurz nach seiner Pensionierung riss ihn viel zu früh aus unserer Mitte. Er hinterlässt seine Ehefrau und drei erwachsene Kinder.

Im Jahr 2004 durfte ich zusammen mit Sepp Föhn für die Behördenwahlen der Gemeinde Igis kandidieren – er für den Gemeindevorstand, ich als Stellvertreter für die Geschäftsprüfungskommission. Ich war damals 23 Jahre alt, mit abgeschlossener kaufmännischer Ausbildung und wenigen Jahren Berufserfahrung. Sepp, 44-jährig – so alt, wie ich es heute bin – war Lehrer und Berater am Plantahof in Landquart und mein Mentor. Nie hätte ich gedacht, dass weitere zwölf Wahlen für die Gemeinde oder den Grossen Rat folgen würden – teils gemeinsam, teils einzeln, aber immer gegenseitig unterstützend. Sepp agierte dabei stets als grosser Motivator, geschickter Organisator und als unermüdlicher Wahlkämpfer.

Zwölf Jahre lang durfte ich mit ihm in der Exekutive der Gemeinde Igis, später Landquart, zusammenarbeiten. Parallel dazu waren wir elf Jahre gemeinsam im Grossen Rat, wobei er in den ersten vier Jahren regelmässig als 1. Stellvertreter des Kreises Fünf Dörfer Einsitz nahm. Gut zehn Jahre lang war Sepp Gemeindevorstand und anschliessend knapp zehn Jahre Gemeindepräsident von Landquart. In diesen Ämtern setzte er sich mit grossem Engagement für das Wohl der Bevölkerung ein, stets mit einem offenen Ohr für ihre Anliegen. Unter seiner Führung wurden bedeutende Projekte realisiert, wie der Umbau des Schulhauses in Igis, der Bau der Dreifachturnhalle in Landquart, die Sanierung der Bahnhofstrasse und die Revision der Nutzungsplanung. Letztere lag ihm besonders am Herzen. Er wollte dieses Projekt unbedingt in seiner Amtszeit abschliessen – und das gelang ihm.

2018 wurde er in den Grossen Rat gewählt und in die Geschäftsprüfungskommission berufen. Als Kommissionskollege galt er als unkompliziert und verstand es, mit einem lockeren Spruch Spannungen zu lösen und auf seine ganz eigene Weise zu Konsens und Harmonie beizutragen. Sepp konnte jedoch ebenso hartnäckig und kritisch nachhaken, stets mit dem Ziel, einer Sache gründlich auf den Grund zu gehen. Nach getaner Arbeit schätzte er die Geselligkeit: Gemeinsam zusammensitzen, essen und trinken – dabei war Sepp ganz in seinem Element.

Turnusgemäss hätte er Ende August das Amt des Vizepräsidenten der Geschäftsprüfungskommission übernommen. Ein Jahr später, nach einer erfolgreichen Wiederwahl in den Grossen Rat, wäre Sepp Präsident der GPK geworden – ein Moment, auf den er sich schon jetzt freute. In diesem Zusammenhang hatte er bereits die Verantwortung für die bevorstehenden Grossratswahlen übernommen.

Wahlen waren für ihn nicht nur politische Arbeit, sondern gelebte Gemeinschaft. Die Treffen der Wahlkommission waren geprägt von Motivation, Engagement, Freundschaft und Geselligkeit. Er bedankte sich nie nur mit Worten, sondern auch mit gemeinsamen Ausflügen, etwa ins Muotathal oder an das Sertig-Schwinget.

Sepp wuchs auf dem Bauernhof Grossmatt in Muotathal auf, als drittjüngstes von neun Kindern. Seine Kindheit war geprägt von Zusammenhalt, Naturverbundenheit, Mitarbeit auf dem Hof und Lebensfreude. Den Kontakt zu seinen Geschwistern und deren Familien pflegte er über all die Jahre. Seine Familie bedeutete ihm alles. Unternehmungslustig und sportlich unternahm er gerne Ausflüge mit der ganzen Familie. Bewegung in der Natur war seine Leidenschaft – ob auf dem Velo, beim Wandern oder Skifahren. Besonders genoss er Veloferien, anfangs mit der ganzen Familie, später mit seiner Ehefrau.

Nach der Schulzeit absolvierte Sepp eine Lehre als Landmaschinenmechaniker und bildete sich später zum Lehrer und Berater für Landtechnik weiter. Es folgten eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung und die Tätigkeit als Geschäftsführer der Landi Graubünden AG.

Als erfolgreicher Schwinger gewann Sepp insgesamt neun Kränze, darunter einen am Bergschwinget Stoos 1985. Dem Schwingsport blieb er zeitlebens eng verbunden – als Präsident des Schwingclubs Unterlandquart, Mentalcoach, OK-Präsident mehrerer Feste und Helfer beim Bau der Schwinghalle in Untervaz.

Gerade seine gelebte «Schwingermentalität» beeindruckte mich immer wieder – Sägemehl abwischen und weitermachen. Sepp blieb auch in schwierigen Situationen ruhig, positiv und lösungsorientiert. Er ging offen auf andere zu – seine positive Art wirkte ansteckend. Auf Wahlflyern stand über ihn: «führungserfahren, kompetent und volksverbunden». Doch er war noch viel mehr: engagiert, begeisternd, grosszügig, dankbar und herzlich.

Was würde ich nicht alles für einen 14. Wahlkampf hergeben. Denn gerne hätte ich Sepp bei den Grossratswahlen 2026 unterstützt.

Lieber Sepp – ruhe in Frieden. Danke von Herzen für die stete Unterstützung, die tolle Zeit mit dir und die schönen Erinnerungen an dich. Zumindest Letztere werden mir für immer erhalten bleiben. Du wirst mir – und vielen anderen – fehlen.

*Livio Zanetti, Landquart – politischer Weggefährte und Freund

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